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Myers-Cocktail in der orthomolekularen Medizin

Myers Cocktail orthomolekulare Medizin: Zusammensetzung, Dosierung, Studienlage und Nebenwirkungen der i.v.-Mikronährstoff-Infusion – fachlich geprüft.

Katerina Petrovska
Approbierte Apothekerin · Aposchwan
··10 min Lesezeit·Apotheker-geprüft
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Klarer Infusionsbeutel mit gelblicher Lösung an einem Ständer, daneben beschriftungsfreie Glasampullen und Spritzen auf grauem Untergrund in ruhiger Praxisatmosphäre.
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Auf einen Blick

  • Der Myers-Cocktail ist eine intravenöse Mikronährstoff-Infusion aus Magnesium, B-Vitaminen, Vitamin C und Kalzium – ein klassisches Protokoll der orthomolekularen Medizin.
  • Typische Einzelgabe: 250–500 ml Trägerlösung; Infusionsdauer 20–60 Minuten; Frequenz im Therapieschema 1–2× pro Woche in der Auffüllphase (Bandbreiten gemäß der Protokollbeschreibung nach Gaby 2002 sowie verbreiteter Praxis in der orthomolekularen Medizin; konkrete Dosierung und Indikation legt der verordnende Arzt bzw. Heilpraktiker fest).
  • Indikationsstellung, Rezeptur und Verabreichung gehören ausschließlich in ärztliche bzw. heilpraktische Hand – Selbstmedikation wird nicht empfohlen.

Pflichthinweis (§4 HWG): Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.


Was ist der Myers-Cocktail?

Der Myers-Cocktail ist eine intravenöse Kombinations-Infusion essenzieller Mikronährstoffe – konkret aus Magnesium, Kalzium, mehreren B-Vitaminen und Ascorbinsäure. Er gilt als eines der historisch ältesten und am weitesten verbreiteten Basisprotokolle der orthomolekularen Infusionstherapie.

Orthomolekulare Medizin bezeichnet ein auf den Chemiker und Nobelpreisträger Linus Pauling zurückgehendes Konzept: Therapeutisches Ziel ist die optimale Konzentration körpereigener, physiologischer Substanzen – insbesondere Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente – im Gewebe. Der Myers-Cocktail bedient diesen Ansatz, indem er Mikronährstoffe direkt intravenös zuführt und damit die intestinale Resorptionsbarriere umgeht. Dadurch lassen sich Plasmakonzentrationen erreichen, die oral nicht oder nur eingeschränkt darstellbar sind.

In Abgrenzung zur reinen Vitamin-C-Hochdosis-Infusion ist der Myers-Cocktail explizit eine Kombinations-Infusion – die rationale Grundannahme: Mikronährstoffe entfalten ihre Wirkung im biochemischen Verbund (Methylierungszyklus, Energiestoffwechsel, antioxidatives System), nicht als Einzelsubstanzen.


Historische Entwicklung: John Myers und die orthomolekulare Medizin

Der Myers-Cocktail geht auf den amerikanischen Arzt Dr. John Myers (Baltimore) zurück, der zwischen den 1960er- und frühen 1980er-Jahren intravenöse Mikronährstoff-Mischungen in seiner Praxis einsetzte. Myers selbst publizierte keine umfassende Beschreibung seines Protokolls; die heute am häufigsten zitierte Standardrezeptur stammt aus einer narrativen Übersicht von Alan R. Gaby (Gaby AR, Alternative Medicine Review 2002; 7(5):389–403, PubMed-ID 12410623), der das Protokoll nach Myers' Tod auf Basis eigener Praxiserfahrung beschrieb und in modifizierter Form weiterführte.

Inhaltlich steht der Myers-Cocktail in der Tradition der orthomolekularen Medizin nach Linus Pauling: Die Idee, durch supraphysiologische Mikronährstoff-Spiegel zelluläre Funktionen zu unterstützen, war in den 1970er-Jahren ein zentraler Diskurs der komplementären Medizin. Aus den USA verbreitete sich das Protokoll in den 1990er- und 2000er-Jahren auch im deutschsprachigen Raum, vor allem im Umfeld integrativer und naturheilkundlicher Praxen.

Wichtig für die Einordnung: Der Myers-Cocktail ist ein historisch gewachsenes Therapieprotokoll, kein zugelassenes Fertigarzneimittel. Zusammensetzung und Dosierung variieren je nach verordnendem Behandler; das Protokoll selbst ist als fixe Kombination in den deutschen Arzneimittelverzeichnissen (Gelbe Liste, gelbe-liste.de) nicht als Fertigarzneimittel gelistet. Die Einzelwirkstoffe werden vielmehr als zugelassene Monopräparate bezogen und individuell rezeptiert; verbindlich sind die jeweiligen Fachinformationen (gelbe-liste.de, fachinfo.de).


Myers-Cocktail Zusammensetzung und Rezept

Das Myers-Cocktail Rezept in seiner klassischen Form geht auf die Beschreibung von Gaby (2002) zurück. Die Myers-Cocktail Zusammensetzung umfasst typischerweise folgende Wirkstoffe in einer Trägerlösung aus Natriumchlorid 0,9 % oder Ringerlaktat (Gesamtvolumen 250–500 ml; Bandbreiten gemäß Gaby 2002, Alternative Medicine Review 7(5):389–403):

  • Magnesiumchlorid oder Magnesiumsulfat
  • Kalziumglukonat
  • Hydroxocobalamin oder Cyanocobalamin (Vitamin B12)
  • Pyridoxin (Vitamin B6)
  • Dexpanthenol (Vitamin B5)
  • Thiamin (Vitamin B1)
  • Riboflavin (Vitamin B2)
  • Ascorbinsäure (Vitamin C)
  • optional Folsäure, Selen, Zink je nach Indikation

Es existiert kein normiertes Einheits-„Rezept". Die konkrete Zusammensetzung wird durch den verordnenden Arzt bzw. Heilpraktiker individuell anhand der Mikronährstoff-Diagnostik und des klinischen Bildes festgelegt. Stoffliche und qualitative Anforderungen an die Einzelwirkstoffe richten sich nach den jeweiligen Fachinformationen (gelbe-liste.de, fachinfo.de).

Tabelle 1: Wirkstoffdosen pro Infusion in der Protokollbeschreibung nach Gaby (2002)

WirkstoffDosis pro Infusion (Gaby 2002)Orthomolekulare BegründungHinweis
Magnesiumchlorid 20 %1–4 ml (≈ 200–800 mg Mg-Salz)Kofaktor in zahlreichen Enzymreaktionen, Gefäß- und MuskelrelaxationLangsam infundieren (Flush-Risiko)
Kalziumglukonat 10 %1–3 ml (≈ 100–300 mg Ca-Salz)Neuromuskuläre Stabilität, Mg-GegenregulationNicht mit Mg in Bolusform mischen
Ascorbinsäure 222 mg/ml4–20 ml (≈ 0,9–4,4 g)Antioxidans, Kollagensynthese, Kofaktor HydroxylasenHöhere Dosen separat als Hochdosis-Infusion erwägen
Hydroxocobalamin 1.000 µg/ml1 ml (1.000 µg)Methylierungszyklus, NervenfunktionLagerung gemäß Fachinformation des Präparates
Pyridoxin 100 mg/ml1 ml (100 mg)Aminosäure- und Neurotransmitter-StoffwechselKumulativ-Dosis beachten (Neuropathierisiko bei chronisch hoher Zufuhr beschrieben)
Dexpanthenol 250 mg/ml1 ml (250 mg)Vorstufe Coenzym AWässrige Mischbarkeit prüfen
Thiamin 100 mg/ml1 ml (100 mg)Energiestoffwechsel (Pyruvat-Dehydrogenase)Anaphylaxie-Einzelfälle in der Literatur beschrieben – langsam infundieren
Riboflavin1–5 mg, je nach SchemaRedox-Reaktionen, FlavoproteineIndividuell titrieren
Folsäure0,4–5 mg, je nach SchemaMethylierungszyklus, 1-C-ÜbertragungIndividuell titrieren

Quelle: Gaby AR, „Intravenous Nutrient Therapy: The Myers' Cocktail", Alternative Medicine Review 2002; 7(5):389–403 (PubMed-ID 12410623). Die in der Tabelle genannten Bandbreiten entsprechen der historischen Protokollbeschreibung sowie verbreiteten Praxis-Protokollen der orthomolekularen Medizin und sind keine zugelassene Dosierungsempfehlung. Verbindlich sind die Fachinformationen der konkret verwendeten Einzelpräparate (gelbe-liste.de, fachinfo.de).


Wirkungsweise der Einzelwirkstoffe

Die rationale Grundlage des Myers-Cocktails liegt in der biochemischen Synergie der Einzelkomponenten:

Magnesium ist Kofaktor in einer Vielzahl enzymatischer Reaktionen, darunter ATP-abhängige Prozesse und die Aktivierung der Pyruvat-Dehydrogenase. Intravenös lassen sich extrazelluläre Konzentrationen rascher anheben als oral, was in der orthomolekularen Literatur mit einer Gefäßrelaxation und einer Unterstützung der mitochondrialen Energiebereitstellung in Verbindung gebracht wird (vgl. Fachinformation Magnesiumsulfat-Injektionslösung, gelbe-liste.de).

Ascorbinsäure erreicht nach pharmakokinetischen Untersuchungen von Padayatty et al. (Annals of Internal Medicine 2004; 140(7):533–537, PubMed-ID 15068981) nur bei parenteraler Gabe Plasmaspiegel im millimolaren Bereich; oral wird die Resorption durch sättigbare intestinale SVCT-Transporter limitiert, sodass selbst bei Einnahme von 3 g alle 4 h Plasmaspiegel im Bereich von etwa 220 µmol/l nicht überschritten werden, während intravenöse Gaben von 1,25 g Spiegel um 1.000 µmol/l erreichen.

B-Vitamine (B1, B2, B5, B6, B12, Folsäure) sind als Kofaktoren im Methylierungszyklus und im Energiestoffwechsel beschrieben. Eine adäquate Versorgung mit B6, B12 und Folsäure ist Voraussetzung für eine effiziente Homocystein-Verstoffwechselung.

Kalzium ergänzt das Protokoll als Gegenspieler einer magnesiuminduzierten neuromuskulären Hyperpolarisation und stabilisiert die Reizleitung.

Katerina Petrovska, Approbierte Apothekerin: „Die biochemische Rationale der Wirkstoffkombination wird in der orthomolekularen Literatur als plausibel beschrieben – Magnesium, B-Vitamine und Vitamin C sind an verschiedenen Stellen des Energie- und Methylierungsstoffwechsels als Kofaktoren beschrieben. Die kontrollierte Studienlage zum Myers-Cocktail als Gesamtprotokoll bleibt allerdings dünn und stützt sich überwiegend auf Fallserien und Expertenkonsens. Eine individuelle Indikationsstellung anhand von Laborwerten und klinischem Bild ist daher unverzichtbar."


Einbettung in das orthomolekulare Therapieschema

Im orthomolekularen Behandlungskonzept dient der Myers-Cocktail typischerweise als Initiationsinfusion in einer mehrstufigen Therapiesequenz:

  1. Labordiagnostik zur Erfassung der Mikronährstoff-Versorgung (siehe nächster Abschnitt)
  2. Auffüllphase mit 4–8 Infusionen, meist wöchentlich
  3. Erhaltungsphase mit monatlicher Infusion oder bedarfsorientierter Wiederholung
  4. Orale Erhaltungstherapie mit Magnesium, B-Komplex und Vitamin C in den Intervallen

Der Myers-Cocktail ist dabei klar abzugrenzen von zwei verwandten, aber distinkten Protokollen:

  • Die Vitamin-C-Hochdosis-Infusion arbeitet mit deutlich höheren Ascorbinsäure-Dosen als der nutritive Anteil im Myers-Cocktail. Sie verfolgt eine pharmakologische statt eine nutritive Logik.
  • Die Glutathion-Infusion zielt auf die direkte Substitution des wichtigsten intrazellulären Antioxidans und wird nicht als Bestandteil des klassischen Myers-Protokolls geführt.

Laborwerte vor und nach der Infusion

Eine Basisdiagnostik vor Therapiebeginn ist im orthomolekularen Vorgehen Standard. Sie dient dazu, tatsächliche Mängel von vermuteten zu trennen und die Therapie nachvollziehbar zu monitoren. Die nachfolgenden Bereiche dienen der Orientierung; verbindlich sind ausschließlich die Referenzbereiche des durchführenden Labors, da diese methoden- und kollektivabhängig sind.

Tabelle 2: Relevante Labormarker im orthomolekularen Kontext

MarkerOrientierungsbereich (Erwachsene)*Klinische Bedeutung
Magnesium (Serum)ca. 0,75–1,05 mmol/lBasismarker; spiegelt intrazellulären Status nur eingeschränkt
Magnesium (Erythrozyt)ca. 1,65–2,65 mmol/lAussagekräftiger für die zelluläre Versorgung
25-OH-Vitamin Dca. 50–125 nmol/l (20–50 ng/ml)Häufige Komorbidität bei Mg-Mangel
Vitamin B12 (Gesamt)ca. 200–900 pg/mlWenig sensitiv – Holo-TC bevorzugen
Holotranscobalamin> 35 pmol/l (orientierend)Frühmarker funktioneller B12-Versorgung
Homocystein (Plasma)< 10 µmol/l (orientierend)Methylierungsstatus (B6/B12/Folat)
Ascorbinsäure (Leukozyten)> 20 nmol/10⁶ Zellen (orientierend)Funktioneller Vitamin-C-Status
hsCRP< 1 mg/l (niedriges kardiovaskuläres Risiko)Entzündungsmarker als Baseline
Kreatinin / eGFReGFR > 60 ml/min/1,73 m²Voraussetzung für i.v.-Mineralstoff-Gaben

*Die genannten Werte sind Orientierungsbereiche, die in der orthomolekularen Praxis-Literatur verbreitet sind; sie sind methoden- und laborspezifisch und müssen durch die jeweiligen Referenzbereiche des durchführenden Labors ersetzt werden. Verbindliche, einrichtungsspezifische Referenzwerte ergeben sich aus dem konkreten Laborbefund.


Dosierung und Verabreichung

Der Myers-Cocktail wird ausschließlich intravenös als Kurzinfusion verabreicht. Die Infusionsgeschwindigkeit ist dabei klinisch relevant: Eine zu schnelle Magnesium-Zufuhr kann ein ausgeprägtes Wärmegefühl (Flush), Hypotonie und Schwindel auslösen.

Tabelle 3: Dosierungs- und Verabreichungsschema (typisches Praxis-Schema gemäß Gaby 2002 und verbreiteter OM-Protokolle)

ParameterAuffüllphaseErhaltungsphase
Gesamtvolumen250–500 ml250 ml
Frequenz1–2× pro Woche (Dauer 4–8 Wochen)ca. 1× pro Monat
Infusionsdauer30–60 Minuten20–30 Minuten
TrägerlösungNaCl 0,9 % oder RingerlaktatNaCl 0,9 %
MonitoringBlutdruck, Herzfrequenz, subjektive VerträglichkeitLaborkontrolle ca. halbjährlich

Wichtige Hinweise:

  • Die Verabreichung gehört ausschließlich in ärztliche bzw. heilpraktische Hand.
  • Selbstmedikation wird nicht empfohlen.
  • Magnesium-Bolusgaben sind zu vermeiden (Risiko für Flush und Hypotonie).
  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion (orientierend eGFR < 60 ml/min/1,73 m²) ist die Indikation kritisch zu prüfen; maßgeblich sind die Fachinformationen der eingesetzten Einzelwirkstoffe (gelbe-liste.de, fachinfo.de) sowie die individuelle Risikoabwägung des Behandlers.

Aktuelle Studienlage

Die wissenschaftliche Datenlage zum Myers-Cocktail als Gesamtprotokoll ist begrenzt und stützt sich überwiegend auf narrative Übersichten und kleinere Fallserien:

  • Gaby AR. „Intravenous Nutrient Therapy: The Myers' Cocktail". Alternative Medicine Review 2002; 7(5):389–403 (PubMed-ID 12410623) – die bis heute zitierte narrative Beschreibung des Protokolls auf Basis eigener Praxiserfahrung. Es handelt sich nicht um eine kontrollierte Studie.
  • Ali A, Njike VY, Northrup V et al. „Intravenous micronutrient therapy (Myers' Cocktail) for fibromyalgia: a placebo-controlled pilot study". Journal of Alternative and Complementary Medicine 2009; 15(3):247–257 (PubMed-ID 19250003). Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Pilotstudie zum Myers-Cocktail bei Fibromyalgie (n = 34). Es zeigten sich Verbesserungen in beiden Studienarmen (Verum- und Placebo-Infusion); ein statistisch signifikanter Vorteil der Verum-Infusion gegenüber Placebo wurde im primären Endpunkt nicht durchgängig nachgewiesen.
  • Systematische Übersichten zu intravenösen Vitamin- und Mineralstoff-Infusionen weisen konsistent auf methodische Schwächen, geringe Fallzahlen und das Fehlen großer RCTs hin.

Die ehrliche Einordnung: Der Myers-Cocktail ist als historisch gewachsenes, expertenkonsensbasiertes Protokoll der orthomolekularen Medizin zu betrachten. Belastbare Wirksamkeitsnachweise auf RCT-Niveau fehlen für die meisten Indikationen.


Myers-Cocktail Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Die Myers-Cocktail Nebenwirkungen sind in der Praxis überwiegend dosis- und geschwindigkeitsabhängig:

Häufiger beschriebene Nebenwirkungen:

  • Wärmegefühl und Flush, vor allem durch Magnesium
  • Leichter metallischer Geschmack während der Infusion
  • Hypotonie und Schwindel bei zu rascher Infusionsgeschwindigkeit
  • Kurzzeitige Tachykardie
  • Lokale Reizungen oder Hämatome an der Einstichstelle
  • Selten Übelkeit

Wichtige Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen (Auszug; verbindlich sind die jeweiligen Fachinformationen der Einzelwirkstoffe; gelbe-liste.de, fachinfo.de):

  • Eingeschränkte Nierenfunktion (insbesondere bei Mineralstoff- und Vitamin-C-Gaben)
  • Bekannte Hypersensitivität gegenüber einem der Inhaltsstoffe
  • Schwere kardiale AV-Blockierungen (Magnesium-Vorsicht)
  • Bekannter Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (G6PD-Mangel) – Vorsicht bei höheren Vitamin-C-Dosen; in der Fachliteratur sind Einzelfälle hämolytischer Reaktionen unter hochdosierter parenteraler Ascorbinsäure beschrieben (vgl. Padayatty et al. 2010, PLoS One 5(7):e11414)
  • Hämochromatose und Eisenüberladungssyndrome
  • Niereninsuffizienz mit Oxalatsteinleiden (Vitamin-C-Anteil kritisch prüfen)

Myers-Cocktail Erfahrungen aus der Praxis

Myers-Cocktail Erfahrungen aus der orthomolekularen und integrativen Praxis beschreiben das Protokoll überwiegend in einem klar abgegrenzten Anwendungsspektrum: als unterstützende Maßnahme bei subjektiv erlebter Erschöpfung, in der Rekonvaleszenz und im Rahmen einer laborgestützten Mikronährstoff-Aufbaustrategie. Eine generelle Aussage zur klinischen Wirksamkeit lässt sich daraus nicht ableiten – Erfahrungsberichte ersetzen keine kontrollierten Studien.

Praktisch relevant in der Beobachtung der Patientinnen und Patienten sind insbesondere:

  • Verträglichkeit der Infusion (Flush-Symptome, Kreislauf)
  • Subjektives Energieniveau und Schlafqualität im Verlauf
  • Verlauf laborchemischer Marker (Magnesium, Holo-TC, Homocystein) zwischen Auffüll- und Erhaltungsphase

Eine seriöse Indikationsstellung erfolgt immer individuell und unter ärztlicher bzw. heilpraktischer Verantwortung; pauschale Empfehlungen zu „Energy-Boost"-Anwendungen ohne diagnostische Grundlage entsprechen nicht dem Standard der orthomolekularen Medizin.


Bezug über die Apotheke

Myers-Cocktail Apotheke: Da der Myers-Cocktail kein zugelassenes Fertigarzneimittel, sondern eine individuell verordnete Kombination zugelassener Einzelwirkstoffe ist, erfolgt der Bezug der einzelnen Komponenten über die Apotheke nach ärztlichem bzw. heilpraktischem Rezept.

Über aposchwan.com sind passende Präparate für Fachkreise verfügbar. Der Bezug erfolgt nach den arzneimittelrechtlichen Bestimmungen. Wirkstoff, Stärke und Darreichungsform werden ärztlich bzw. heilpraktisch verordnet.


Quellen

  • Gaby AR. „Intravenous Nutrient Therapy: The Myers' Cocktail". Alternative Medicine Review 2002; 7(5):389–403. PubMed-ID 12410623.
  • Ali A, Njike VY, Northrup V, Sabina AB, Williams AL, Liberti LS, Perlman AI, Burke G, Katz DL. „Intravenous micronutrient therapy (Myers' Cocktail) for fibromyalgia: a placebo-controlled pilot study". Journal of Alternative and Complementary Medicine 2009; 15(3):247–257. PubMed-ID 19250003.
  • Padayatty SJ, Sun H, Wang Y, Riordan HD, Hewitt SM, Katz A, Wesley RA, Levine M. „Vitamin C pharmacokinetics: implications for oral and intravenous use". Annals of Internal Medicine 2004; 140(7):533–537. PubMed-ID 15068981.
  • Padayatty SJ, Sun AY, Chen Q, Espey MG, Drisko J, Levine M. „Vitamin C: intravenous use by complementary and alternative medicine practitioners and adverse effects". PLoS One 2010; 5(7):e11414.
  • Fachinformationen der verwendeten Einzelwirkstoffe (Magnesium-, Kalzium-, B-Vitamin- und Ascorbinsäure-Präparate); Quellen: gelbe-liste.de, fachinfo.de.
  • Heilmittelwerbegesetz (HWG), §4; gesetze-im-internet.de.

Häufig gestellte Fragen

Was ist im Myers-Cocktail enthalten?
Der klassische Myers-Cocktail nach Gaby (2002) enthält Magnesiumchlorid oder -sulfat, Kalziumglukonat, Hydroxocobalamin (Vitamin B12), Pyridoxin (B6), Dexpanthenol (B5), Thiamin (B1), Riboflavin (B2) sowie Ascorbinsäure (Vitamin C). Die Wirkstoffe werden in einer Trägerlösung aus Natriumchlorid 0,9 % oder Ringerlaktat verabreicht. Die genaue Zusammensetzung wird individuell durch den verordnenden Arzt oder Heilpraktiker festgelegt.
Wie lange dauert eine Myers-Cocktail-Infusion?
Eine Standardinfusion dauert nach verbreitetem Praxis-Schema zwischen 20 und 60 Minuten. Die Infusionsgeschwindigkeit wird bewusst niedrig gehalten, weil eine zu schnelle Magnesium-Zufuhr ein Wärmegefühl (Flush), Hypotonie oder Schwindel auslösen kann. In der Auffüllphase werden meist 30–60 Minuten angesetzt, in der Erhaltungsphase reichen häufig 20–30 Minuten aus.
Welche Nebenwirkungen kann der Myers-Cocktail haben?
Typisch sind ein Wärmegefühl, leichter metallischer Geschmack und ein Flush-Phänomen durch Magnesium. Bei zu schneller Infusion kann es zu Hypotonie, Schwindel oder kurzzeitiger Tachykardie kommen. Lokale Reizungen an der Einstichstelle und in seltenen Fällen Übelkeit sind beschrieben. Kontraindikationen umfassen u. a. eingeschränkte Nierenfunktion und bekannte Hypersensitivität gegenüber Inhaltsstoffen.
Wie oft wird ein Myers-Cocktail verabreicht?
Das Frequenzschema richtet sich nach Indikation und Mangelschweregrad. In der Auffüllphase werden in der Protokollbeschreibung nach Gaby (2002) und verbreiteten OM-Praxis-Schemata typischerweise 1–2 Infusionen pro Woche über vier bis acht Wochen angesetzt. Anschließend folgt eine Erhaltungsphase mit etwa einer Infusion pro Monat oder nach individuellem Bedarf. Die Frequenz wird durch den verordnenden Arzt oder Heilpraktiker festgelegt.
Welche Laborwerte sollten vor einer Myers-Infusion bestimmt werden?
Empfohlen werden Magnesium (Serum und Erythrozyt), 25-OH-Vitamin D, Vitamin B12 oder besser Holotranscobalamin, Homocystein, der funktionelle Vitamin-C-Status in Leukozyten sowie CRP als Entzündungsmarker. Bei geplanter Mehrfachgabe gehören außerdem Nierenfunktionsparameter (Kreatinin, eGFR) zur Basisdiagnostik. Verbindliche Referenzbereiche sind dem jeweiligen Laborbefund zu entnehmen.
Ist der Myers-Cocktail wissenschaftlich belegt?
Die Evidenzlage ist begrenzt. Die wichtigste Publikation stammt von Gaby (2002) als narrative Übersicht. Eine kleine randomisierte Pilotstudie zu Fibromyalgie (Ali et al., *J Altern Complement Med* 2009; 15(3):247–257) zeigte gemischte Ergebnisse mit Besserungen in beiden Studienarmen. Systematische Übersichten weisen auf methodische Schwächen und fehlende große RCTs hin. Der Myers-Cocktail ist daher als historisch gewachsenes, expertenkonsensbasiertes Protokoll der orthomolekularen Medizin einzuordnen. --- > **Pflichthinweis (§4 HWG):** Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke. ---
Fachlich geprüft am11. Mai 2026Katerina Petrovska · Approbierte Apothekerin
Über den Autor
Katerina Petrovska
Approbierte Apothekerin · Aposchwan

Approbierte Apothekerin mit Schwerpunkt Infusionstherapie und individuelle Rezeptur. Berät Praxen und Heilpraktiker zu Indikation, Mischbarkeit und Bezug von Infusionslösungen.

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